DEMATON · Medienbüro
 
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"Ferenc Farkas · Werke für Gitarre & Sopran / Gitarre & Violine / Gitarre solo"
David Zipperle (Gitarre) | Eva Csapó (Sopran) | Alexandre Dubach (Violine)




Katalognummer: DT-09327
Spieldauer: 75:52
Erscheinungsjahr: 2009


Preis: € 15.-


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Tracklist:

Cinque canzoni dei trovatori

Parts:
1) Volez vos que je vos chant 1:34
2) Belle Doette 2:12
3) Quand li rossignols s’écrie 1:49
4) A pris ai qu'en chantant plour 1:37
5) Fort m'enoia 0:31

Régi magyar táncok

Early hungarian dances from the 17th century for guitar
Parts:
6) Magyar tánc 1:00
7) Chorea 2:56
8) Erdélyi fejedelem tánca 2:27
9) Der Tanz des Lázár Apor / Apor Lázár tánca 1:46

Cronica
for voice and guitar
Parts:
10) Hadnagyoknak tanulság 1:41
11) Sirva veszéköl 1:54
12) Eger vár viadaljáról: Ti magyarok 0:55
13) Eger vár viadaljáról: Ez idö tájt Ali basa 1:23
14) Eger vár viadaljáról: Lön jó reggelt 0:45
15) Eger vár viadaljáról: Az tömlöcbástyán 2:10
16) Sok részögös 1:13

17) Török vers Júliára / Canzone turca a Giulia 4:01
       for voice and guitar

Due pezzi per violino e chitarra
18) Egloga 2:34
19) Burattinata for violin and guitar 1:36

20) La guitarra 4:42
       for voice and guitar

Estampas españolas

for voice and guitar
Parts:
21) Noche de verano - text by A. Machado 2:31
22) Amanecer de otoño - text by A. Machado 2:01
23) Estampa de invierno - text by J.R. Jiménez 3:52
24) Cancion primaveral - text by Federico Garcia Lorca 2:03

Six piéces bréves
for guitar
Parts:
25) Preambolo 1:37
26) Scéne de ballet 1:06
27) Danse guerriére 1:45
28) Grinzing 1:43
29) Intermezzo 1:22
30) Tirnovo 1:39

Gyümölcskosár / Fruchtkorb / Panier de fruits
for voice and guitar
Parts:
31) Gáspár / Kaspar / Bastide 0:57
32) Ládika / Das Zauberkästlein / Le pot de fer 0:45
33) Marasztalás / Sonnenstrahlen / Supplication 1:51
34) Falusi reggel / Dorfmorgen / Le coq et l'âne 0:53
35) Mondóka / Veilchen / Violette 0:52
36) A köbéka / Der Steinfrosch / Le crapaud 1:17
37) Altatódal / Wiegenlied / Berceuse 2:07
38) Száncsengö /Schlittenschellen / La cloche du traineau 0:43
39) Békakirály / Froschkönig / Le roi des grenouilles 1:52
40) A tündér / Das Elflein / La fée Bóbita 2:15
41) Paprika Jancsi szerenádja / Hanswurst-Serenade /
       Sérénade de Pierrot 1:55
42) Déli felhök / Mittagswolken / Dans les nuages 1:58

Aus dem Booklet:
Gleich zu Beginn rekurrieren die Cinque Canzoni dei Trovatori auf einen der wichtigsten Bezugspunkte im Schaffen von Ferenc Farkas: den Besuch der Meisterklasse von Ottorino Respighi an der Accademia di Santa Cecilia in Rom. Von 1929 bis 1931 war Farkas Stipendiat beim italienischen Meister, der wiederum selbst Schüler Rimsky-Korssakows gewesen war. Die langanhaltende, in diesen Jahren entstandene Begeisterung für vorbarockes musikalisches Material sublimiert sich ganz zentral in den Cinque Canzoni, komponiert 1947, ursprünglich für Klavier und Sopran. Volez vos que je vos chant, ein getragenes, durch seinen Text geradezu dem Minnesang beizuordnendes Lied (ein Sujet, das ohnehin durch das trovatore im Titel klar angedeutet wird), verzückt mit fließenden, goldenen Kantilenen in modalen Skalen, die den mediävalen Eindruck verstärken, alles eingebettet in sanfte, kontrapunktische Rhythmen, die wiederum an die strenge Polyphonie der Renaissance erinnern. Ähnlich schließt Belle Doette an, ebenfalls fernab von Dur und Moll in modale Strukturen eingefügt, reckt sich der Sopran emphatisch in die sehr rubato gestalteten Melodien, über die die Gitarre wie ein warmer Sommerregen ihre gebrochenen Akkorde tröpfelt. Als Kontrapart wiederum erscheint nun Quand li rossignol s’écrie, das, wieder im typischen Dreiertakt, als klassisches Tanzstück ein Gegengewicht zum vorher angeschlagenen schwelgenden Ton bietet. Das Ganze Stück bekommt durch seinen italienischen Titel, den französischen Text und den mitunter mittelalterlichen Gestus zudem den Charakter einer Collage, die in eine befreiende Märchenwelt.


Ein weiteres zentrales Element seiner Arbeit greift Farkas in den Régi Magyar Táncok auf. Ab seiner Rückkehr aus Italien im Jahre 1931 beschäftigte er sich, ganz in der Tradition von Bartók, mit dem Sammeln und Verarbeiten ungarischer Volksmusik. Das gesammelte Material wurde lediglich auskomponiert, umarrangiert und in neuen musikalischen Kontext gesetzt. Und das alles vollgriffigkunstvoll und ganz und gar unvolkstümlich für die Gitarre ausgesetzt, neben der Geige wahrscheinlich das typischste Instrument der ungarischen Folklore. Hier erleben wir Farkas nicht nur als Chronisten seiner eigenen Kultur, sondern gleichwohl als international geschulten Künstler, der (ähnlich wie in den Cinque Canzoni) seiner eigenen Devise folgt: »Man muss Europa erleben, um Ungar zu sein!« Dass sich die vier Tänze dann auch noch so sehr unterscheiden, mal malerisch-hymnisch (Erdélyi fejedelem tánca), mal exaltiert und vor sprühenden, furiosen Figurationen berstend (Magyar Tánc), ist nur weiterer Bestandteil von Farkas’ Kunst, deren Ziel es zu sein scheint, stets möglichst vielseitig und farbenfroh abzubilden.


Da verwundert kaum, dass sich mit Cronica ein weiterer Zyklus mit der ungarischen Geschichte befasst. Als Textgrundlage diente hier die gleichnamige Sammlung von Gesängen des frühneuzeitlichen ungarischen Dichters Sebestyén Tinódi, dessen Spitzname »Lantos« (»Laute«, als Synonym auch »Bänkelsänger«) nicht zuviel verspricht: Der Text schildert in epischen Gesängen die Verteidigung der Burg zu Eger gegen die schon seit längerem als neue militärische Macht empordrängenden Türken im Jahre 1552. Auch die Struktur des Textes atmet noch typisch-mittelalterliches Ambiente: Während zunächst zwei einführende Gesänge die historische und nationale Einordnung vornehmen, so folgt anschließend die Schilderung des Kampfes. In Hadnagyoknak tanulság stoßen wir abermals auf eine vorklassische Harmonik und farbenreiche modale Skalierung des Gesangs sowie das typische ternäre Metrum. Danach fordert die Sängerin in Sirva veszéköl, beinahe einer besorgten Mutter gleich, ihre Kinder, die zersprengten Ungarn, mit leidenschaftlich betörenden Rubatofiguren zum geeinten Kampf auf. Die vier Gesänge Eger vár viadaljáról schildern nun den Kampf selbst, vom lyrisch zurückhaltenden Ti magyarok über das in Ungewissheit und Beklemmung schwelgende Ez idö tájt…, das die wartenden Ungarn abbildet. Mit dem kurzen, furios marschierenden Lön jó reggelt beginnt der Angriff der Türken, der jedoch an den Burgmauern abprallt wie von einer Klippe, bis das zwar triuphierende, jedoch todtraurige Az tömöcbástyán mit versöhnlichen Kadenzen und hymnischem Gestus dem Heldentod des Heerführers István Dobó huldigt.


Auch Török vers Júliára bezieht sich auf einen ungarischen Dichter der Renaissance, diesmal Bálint Balassi. Das Wort Török (»türkisch«) zeigt umso mehr, wie sehr die Bedrohung durch die Osmanen im intellektuellen Europa für lange Zeit als Quell der Inspiration und Faszination für alles Orientalische gesorgt hat. Farkas nimmt die Textgrundlage als Anlass für ein morgenländisch anmutendes Liebeslied voller chromatischer Figuren, durchsetzt mit feurigen Arpeggien.


Die Duo pezzi… vereinen Gitarre und Violine. In der Egloga zeigt sich Farkas als Romantiker. Mit kraftvollem Strich führt Alexandre Dubach das einzige Motiv durch die facttenreichen Modulationen der Gitarre, deren einzelne Töne wie kleine Perlen glitzern, die am Schluss von der Geige in zartem Pizzicato noch zitiert werden. Die Burratinata erinnert in ihrem wilden Presto noch einmal an die ungarischen Tänze.


Estampas españolas und La Guitarra zeigen den Komponisten als Liebhaber des andalusischen Schwermuts. Mit Texten altspanischer Dichter entsteht ein musikalisches Bild der vier Jahreszeiten. In schroffen, mitunter typisch arabesken Melodien und Figuren entführen die Estampas in den ursprünglichen, tieftraurigen »Cante Hondo« Südspaniens, in dem die Stimme als Botschafter unmittelbarer, ehrlichster Emotionalität dient, die durch die Gitarre ein sanftes, mitunter anspornendes Fundament erhält.


Eine Sonderstellung nehmen die Six piéces bréves für Gitarre ein: Im Gegensatz zu den anderen Werken der CD (außer den Due Pezzi…) liegt ihnen kein Motto zu Grunde. Gleichwohl wendet sich Farkas jedoch auch hier einer im weitesten Sinne traditionellen Gattung zu, nämlich dem lyrischen Stück. Hier erleben wir im wahrsten Sinne des Wortes Ferenc Farkas als Tondichter, der in loser formaler Umgebung direkten emotionalen Ausdruck sucht. Preambolo zu Beginn schreitet im erhabenen Pavanenrhythmus voran, nur kurz durchbrochen von modulierendem Sinnieren, um danach gleich wieder majestätisch aufzuerstehen. Auch hier blitzt wieder die Begeisterung Farkas’ für alles Entrückte und Märchenhafte auf. Es folgen zwei steigernde Sätze: Schwebt Scéne de Ballet noch leichtfüßig, mit plätschernden Skalen dahin, so entfacht der Danse Guerriérre ein fulminantes, eben wahrhaft kriegerisch anmutendes Allegro, das aufrüttelt und dem es dabei gelingt, dem kriegerischen Affekt nur das Positive, nämlich den Charakter von Aufbruch und Neuanfang ab zu gewinnen. Grinzing und Intermezzo hingegen verströmen Melancholie, Suche und abermals den Zustand des Schwebens. Vor allen Dingen Grinzing entführt mit seinen getragenen, ruhigen und überraschend gestalteten Akkordflächen in eine geradezu Debussy’sche Sphäre von Selbstreflexion und Exotismus. Tirnovo im charakteristschen bulgarischen Rhythmus beendet das Werk.


Die berühmteste Liedersammlung im Werk Farkas ist der Gyümölcskosár (Fruchtkorb), dessen zwölf Lieder allesamt Kindergedichte von Sándor Weöres zur Grundlage haben. Der Fruchtkorb lädt ein auf eine Reise in verwunschene Sphären, zu einem Spaziergang in einer Art Zauberwald, an dessen Eingang der tapsige, doch listige Kaspar den Weg kreuzt. Mit auf den Weg nimmt man das Zauberkästlein, das seine altertümlichen Geheimnisse und bisweilen schrägen Klänge dann doch preis gibt, bis diese durch die Sonnenstrahlen abgelöst werden, die sich noch etwas kühl durch das dichte Blattwerk der mit Grieg’scher Melancholie aufgeladenen Akkorde kräuseln. Man merkt: der Dorfmorgen bricht an. Die Gitarre zeigt mit ihren hüpfenden, vitalen Flageoletts das rege Treiben auf den Straßen an, über dem, reichlich kurios, tatsächlich der Hahn kräht. Mitten im Zyklus, an zentraler Stelle begegnet uns das Wiegenlied, ein intimes Zeugnis der Liebe des Vaters Ferenc Farkas, seinem Sohn zum ersten Geburtstag gewidmet: Ein mit exotischem Zierrat und entrückten Harmonien dekoriertes, flirrendes Lied, das erneut Erinnerung wach werden lässt an Débussy und sein Claire de Lune. Auch danach stößt man auf allerlei skurrile Gesellen, die einem alle noch aus der Kindheit zumindest vage bekannt sind. Da ist Das Elflein, Hanswurst, sozusagen der Bruder des Kaspar, und da ist der verstörende, selbstgefällige Froschkönig, der träge sich dahinschleppt und dabei vor Halbtonschritten und Reibungen nur so strotzt. Am Ende bleibt der Blick in die breit und gemächlich dahinflutenden Mittagswolken und die Gewissheit, einen nicht alltäglichen Erkundungsgang getan zu haben.
[Nils Wrage, Kiel]
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