DEMATON · Medienbüro für Musikkultur
 
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Deutsch Skandinavische Jugend Philharmonie "MUSIK DES BALTIKUMS"
Leitung: Andreas Peer Kähler



Katalognummer: DT-05320
Doppel-CD
Erscheinungsjahr: 2005

Preis: nur zur Promotion

Abschlusskonzert der
29. DEUTSCH-SKANDINAVISCHEN ORCHSTERWOCHE
in der Berliner Philharmonie am 6. Januar 2005


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  1. CD 1 (37:45)
    Mikalojus K. Ciurlionis
    1. Miske (Im Walde)
    Eduard Tubin
    2. Konzert für Kontrabaß & Orchester

    CD 2 (47:47)
    Santa Ratience
    1. Glittering Promenade
    Modest Mussorgskij
    Bilder einer Ausstellung
    2. Promenade
    3. Gnomus
    4. Promenade
    5. Das alte Schloss
    6. Promenade
    7. Spielende Kinder im Streit
    8. Bydlo
    9. Promenade
    10. Ballett der Küchlein in ihren...
    11. Samuel Goldenberg und Schmuyle
    12. Der Marktplatz in Limoges
    13. Catacombae
    14. Die Hütte der Baba-Yaga
    15. Das große Tor von Kiew

Aus dem Booklet:

Mikalojus Konstantinas Ciurlionis,
litauischer Komponist und Mahler, ist in Deutschland weitgehend unbekannt, genießt in seinem Heimatland jedoch aufgrund seiner Doppelbegabung einen hervorragenden Ruf. Geboren 1875 in Varena, verbrachte er seine Kindheit im litauischen Druskininkai, nahe der polnischen Grenze. Grundlegend für seine musikalische Ausbildung wurde die Förderung durch den Fürsten Michal Oginskij. Vor allem in seinen Fugen und Kanons bildet sich ein polyphoner Kompositionsstil heraus, der in zwei Variationszyklen für Klavier und Streichquartett erstmals auch außerhalb der streng polyphonen Gattungen zur Anwendung gelangt. Noch in Warschau erzielte Ciurlionis 1901 mit der Symphonischen Dichtung Miške (Im Walde) eine Ehrenauszeichnung in einem Kompositionswettbewerb. Den ihm angebotenen Direktorposten der Musikgesellschaft in Lublin lehnte er jedoch ab, um seine musikalische Ausbildung am Leipziger Konservatorium, das im europäischen Musikleben immer noch eine bedeutende Stellung einnahm, zu vollenden. Seine Kompositionslehrer, der inzwischen 76-jährige Carl Reinecke und der ebenfalls bereits betagte Salomon Jadassohn, bestärkten den Litauer in seiner hohen Wertschätzung des klassisch-romantischen Werkekanons: Der streng kontrapunktische Stil sei, so Jadassohn, dem Wandel der Zeit am wenigsten unterworfen und könne einem Werk am ehesten Dauer verleihen. Nach Vollendung seiner Studien 1902 nahm Ciurlionis bis Frühjahr 1904 Malunterricht in der Zeichenklasse von Jan Kauzik in Warschau. Von da an wandte er sich zwar nicht von der Musik ab, verlegte sein künstlerisches Schaffen jedoch vorrangig auf die Malerei. So bildete seine zweite symphonische Dichtung Jura (Das Meer) für großes Orchester und Orgel auch seine letzte große Instrumentalkomposition, deren Fertigstellung von 1903-07 gleichsam zum quälenden Prozeß wurde. Man mag darüber spekulieren, ob Ciurlionis sich selbst als Erschaffer großformatiger Instrumentalmusik - der Musikrichtung also, die Reinecke und Jadassohn als das ranghöchste im gesamten System der Künste verfochten - mit dem Bildzyklus Laidotuviu simfonija (Begräbnissymphonie, 1903) ein monumentales Ende setzte.

Eduard Tubin,
geboren am 18.6.1905, gehört zu den Komponisten, deren Anerkennung erst posthum einsetzte. Estlands zentraler Symphoniker ist ein prominentes Opfer der politischen Wirren Estlands während des 2. Weltkrieges. Als 25-jähriger übernahm er das Dirigat am renommierten "Vanemuine"-Theater in Tartu. Das kulturpolitische Umfeld seiner frühen musikalischen Entwicklung ist gekennzeichnet durch den faschistischen Umsturz 1934, der sowjetischen (1940) und deutschen (1941-44) Besatzung Estlands, der Rückeroberung durch die rote Armee sowie der sich anschließenden Deportation, der sich Tubin durch Flucht nach Schweden entzog, wo er bis zu seinem Tod 1982 wohnhaft blieb. Im sowjetischen Estland waren seine Werke lange Zeit verboten, so daß die Karriere des Fischersohnes zum großen Komponisten einen bitteren Beigeschmack erhält. Tubin hinterließ ein sehr umfangreiches Œuvre; seine Meisterschaft offenbart sich in allen Gattungen der Instrumental-, Vokal- und dramatischen Musik. Neben zwei großen Opern und mehreren Bühnenmusiken muß vor allem seiner Instrumentalmusik größter Respekt gezollt werden. Namentlich seine zehn Sinfonien, entstanden 1931-1971, spiegeln Tubins künstlerische Entwicklung wider. Im Schatten der modernistischen sog. schwedischen Montags-Gruppe um Hilding Rosenberg und Karl-Birger Blomdahl stoß er jedoch auf Komponisten-Konkurenz, die - im Gegensatz zu Tubin - über eine einflußreiche Lobby verfügte. Tubin hingegen verbuchte allenfalls Achtungserfolge und mußte immer wieder Stellen als Chordirigent, Kopist oder Arrangeur alter Musik annehmen. Das 1948 entstandene, selten gespielte Konzert für Kontrabaß und Orchesterwerk gehört einer ungewöhnlichen Gattung an, in der sich Virtuosität und symphonische Konzeption ebenso gleichwertig gegenüberstehen sollen wie Orchester und Solist. Die bevorzugte tiefe Lage des Kontrabasses aber schränkt den Komponisten in der Behandlung des Orchesters ein, da in den kulminierenden Passagen, die im Zusammenspiel von Solist und Orchester vorgetragen werden, der Solist akkustisch nur schwer wahrnehmbar ist. Deshalb ist es immer wieder besonders spannend, gerade Tubins Lösung der Gattung zu verfolgen, dessen glühend-bedrohliche Tonsprache dem klanglichen Charakter des Kontrabaßes entgegenkommt.

Santa Ratniece,
geb. 1977, erhielt als lettische, mehrfach preisgekrönte Nachwuchskomponistin einen Kompositionsauftrag von der Deutsch-Skandinavischen Jugend-Philharmonie, der an Musorgskijs Bildern einer Ausstellung anknüpfen sollte. Mit Glittering Promenade entstand ein Werk für großes Orchester, das die Komponistin in eigenen, poetischen Reflektionen beschreibt:

Am Anfang bloß schummriges Scheinen, der Fluß von Licht, plötzlich durchbrochen von einer Explosion blendenden Strahlens / Nur Lichtglitzer, aber herausgezögert durch Glimmern und Glühen von Licht und Klängen / "Schimmer im Licht" transferiert den kurzen Moment in die Ewigkeit / Streicherklänge, um die Endlosigkeit des Lichts zu reflektieren, daß sie niemals erlöschen / Celesta, Harfe, Crotales, Becken, Triangel, Tamtam, um die Brillanz des Lichts zu kreieren / Je tiefer das Register, umso gedrückter der Fluß des Lichts: Die Atmosphäre von Musorgskijs Bilder einer Ausstellung durch die Andeutung der Katakomben.

Klangteppiche, gekennzeichnet durch Vierteltönigkeit, mit Bögen gestrichene Perkussionsinstrumente sowie dynamische Wallungen sind die Stilmittel, die Ratniece als Komponistin mikro-organisierter Musik zeigen. Insbesondere jedoch die Stille bildet für sie den Ausgangspunkt jeder Musik:

Silence evokes a change in tuning, it is not a definit hue but rather like evanescent nacre, it is a world of musical tone, where impossibilities often unite to give birth to something new.

 

Modest Petrevic Musorgskijs,
geboren 1839, Bilder einer Ausstellung flankieren den diesjährigen Programmschwerpunkt der Musik des Baltikums. Aufgeführt wurde die wohl berühmteste Komposition, die im Zusammenhang mit bildender Kunst steht. Musorgskijs Name lebt vor allem durch zwei Werke: die 1868/69 komponierte Oper "Boris Godunov" und den 1874 entstandenen Klavierzyklus, der zu etlichen Orchestrationen Anreiz gegeben hat. Die "Bilder einer Ausstellung" entstanden, nachdem Musorgskij eine Ausstellung mit Bildern seines im Vorjahr verstorbenen Freundes und Malers Viktor Hartmann gesehen hatte. Gegenüber den kleinformatigen und skizzenhaften Bildern scheint die Musik beinahe überdimensional. Musorgskij Absicht lag dabei nicht darin, die vorgegebenen Bilder in die Sprache der Musik zu übersetzen, eine Aufgabe, die schon aufgrund der Abstraktionsfähigkeit der Musik nicht eindeutig lösbar ist. Vielmehr nimmt er sie als Anlaß, um - analog Mendelssohns Liedern ohne Worte - musikalische Bilder zu schaffen. Durch die konsequente Nichtbeachtung herkömmlicher Regeln der Formbildung und Harmonik erreicht Musorgskij eine geradezu szenische Anschaulichkeit. Zehn Stücke dieses ganz und gar neuartigen Klavierzyklus tragen den Namen der Bilder; die Einleitung und die vier Zwischenspiele mit der Überschrift "Promenade" hingegen zeigen den Komponisten, wie er sich von einem Bild zum anderen wendet. Im Zyklus der Komposition haben sie eine verbindende Funktion, bilden jedoch auch einen eigenen Kompositionsstrang, der am ehesten als Variationsreihe bezeichnet werden kann. Die unterschiedlichen Versionen sind dabei so eingerichtet, daß sie jeweils einen Nachhall des vorausgehenden Stückes wiedergeben. Gleichzeitig werden Tonart und Charakter der folgenden Bilder vorbereitet, so daß auch die Promenade selbst in einem jeweils neuen Licht dargestellt wird.

[Axel Bruch]

 

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