DEMATON · Medienbüro für Musikkultur
 
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Peter Doss / Barbara Moser
Johannes Brahms: Die schöne Magelone, op.33
Peter Doss: Bariton/Erzähler · Barbara Moser: Klavier


Katalognummer: DT-04318

Erscheinungsjahr: 2004

Preis: € 19,90

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  1. In der Provence herrschte vor langer Zeit...
  2. Nr. 1: Keinen hat es noch gereut
  3. Der Jüngling hörte still dem Gesange zu
  4. Nr. 2: Traun! Bogen und Pfeil sind gut für den Feind
  5. Peter kam nach vielen Tagesreisen
  6. Nr. 3: Sind es Schmerzen, sind es Freuden
  7. In derselben Nacht
  8. Nr. 4: Liebe kam aus fernen Landen
  9. Dieses Lied rührte Magelone
  10. Nr. 5: So willst Du des Armen
  11. Nr. 6: Nr. 6 Wie soll ich die Freude, die Wonne denn tragen?,
  12. Am nächsten Morgen war bald die Stunde
  13. Nr. 7: War es Dir, dem diese Lippen bebten
  14. Peter hatte seine Geliebte
  15. Nr. 8: Wir müssen uns trennen
  16. Nun war die Nacht gekommen
  17. Nr. 9 Ruhe, Süßliebchen
  18. Peter sah hoch
  19. Nr. 10: Verzweifelung
  20. Magelone erwachte
  21. Nr. 11: Wie schnell verschwindet so Licht als Glanz
  22. Peter erholte sich
  23. Nr. 12: Muß es eine Trennung geben
  24. Magelone war nach einer Wanderung
  25. Nr. 13: Sulima
  26. Peter erschrak im Herzen
  27. Nr. 14: Wie froh und frisch
  28. Um diese Zeit
  29. Nr. 15: Treue Liebe dauert lange

Aus dem Booklet:

Ludwig Tieck 1773-1853: Bewahrer und Wegbereiter
Der erste und einflußreichste Dichter der Frühromantik, der mit Novalis und den Brüdern Schlegel die sogenannte Jenaer Romantik bildete, schuf Dramen, Romane, Novellen und Lyrik, aber auch "Volksmärchen", die u.a. "Die Schöne Magelone" enthalten. Diese Sammlung von unterschiedlichen Dichtungen sind Nachschöpfungen der (später) sogenannten Volksbücher aus dem 16 Jahrhundert, die ihrerseits wieder auf meist fremdsprachige Vorlagen aus dem 15. Jahrhundert (Heldensagen, Ritterromane, antike oder orientalischen Erzählungen) zurückgehen. Diese waren ursprünglich für eine gebildete Gesellschaftsschicht bestimmt, wurden aber nach Erfindung der Buchdruckerkunst zu verbreiteten "Groschenromanen" und galten im aufgeklärten Deutschland mit ihrer naiven Frömmigkeit, Lieblichkeit und anspruchslosen Schönheit als nicht zeitgemäß. Eine "Rehabilitierung" dieser Volksbücher, wie sie Tieck anstrebte, gelang nur durch sprachliche Modernisierung und auch inhaltliche Veränderung. So wird der ausgeprägte christliche Charakter der ursprünglichen schönen Magelone durch einen romantischen Ton überlagert: Eine geheimnisvolle Natur kommuniziert mit den Menschen, und Graf Peter von Provence erscheint - wenn auch äußerlich als tatkräftiger Ritter - vor allem als ein in sich gekehrter Träumer, der gleich einem romantischen Dichter von unbestimmten Ahnungen getrieben wird.
Merkmale wie mittelalterlicher Hintergrund, phantastische Ereignisse, stimmungsvolle Nautrschilderungen und lyrische Einlangen, bestimmen die Entwicklung der Deutschen Romantik mit und beeinflußten maßgeblich Armin, Brentano, Eichendorff, Hoffmann und Fouque - und der Dichter schenkte einem literarisch hochgebildeten Komponisten, einem unermüdlich nach "komponierbarem" Forschenden, die Textvorlage zu einem Empfindungstiefen und anspruchsvollen Liederzyklus von unüberbietbarer musikalischer und emotionaler Spannweite.


Opus 33 von Johannes Brahms: Ritterliche, romantische und hymnische "Liederarien"
Kantaten- und opernhafte Gesänge neben volksliedhaft Zartem, Malerischem, gallopierende Rhythmen, vollgriffiger Klaviersatz, Variationstechniken, freie Stophenreihung und nicht zuletzt eine in Tristan-Nähe getriebene Harmonik:In allem erweist sich die "Schöne Magelone" als echter Brahms - sie stehen an emotionaler Spannweite und melodischer Erfindung den großen Schubert Zyklen um nichts nach.
Wenn auch der musikalische Entwurf nach einer unmittelbaren Abfolge der Stücke verlangt, so erschließt sich der Sinn der Gedichte doch nur, wenn man diese in ihren ursprünglichen Kontext zurückgibt. Allein dieses Argument des besseren Verständnisses mag eine "Gesamtdarstellung" wie bei der vorliegenden CD rechtfertigen. Der Komponist hatte eine solche keinesfalls beabsichtigt und tolerierte diesbezügliche Aufführungsversuche - nicht ohne sie mit rüden Worten zu kommentieren.
Die vorwiegend in B-Tonarten komponierten Romanzen, (Es-Dur,bzw C-Dur für die tiefere Stimmlage als heroische Eröffnungstonart) weisen musikalisch eine starke innere Verknüpfung auf: Der ritterliche Beginn wechselt in Wehmütiges und Sehnsüchtige, Jubelndes und Ungeduldiges, mündet in Verzweiflung und endet mit einer bejahenden Rückbeziehung auf den Beginn.
Um die musikalische Kontinuität nicht durch allzulange Rezitationsabschnitte zu unterbrechen und um wenigstens einmal, dort wo die unmittelbare Abfolge zweier Lieder (V und VI) am zwingendsten erscheint, die packende Steigerung der dramatischen Kraft nicht zu schmälern, schien mir eine - wie ich hoffe mit Bedachtsamkeit vorgenommene - Kürzung und eine winzige inhaltliche Straffung unumgänglich zu sein. [Peter Doss]

Johannes Brahms: Romanzen aus Tiecks "Magelone" op. 33
Die Romanzen aus Tiecks "Magelone" op. 33 von Johannes Brahms bilden einen eigenständigen Liederzyklus, der den Vergleich mit den Zyklen von Franz Schubert und Robert Schumann nicht zu scheuen braucht. Dennoch hat dieses Werk nicht die Popularität einer "Winterreise", "Schönen Müllerin", oder "Dichterliebe" erreicht, was an der Wahl des Textes, an der verwickelten Entstehungsgeschichte, sowie nicht zuletzt am hohen Schwierigkeitsgrad der Komposition liegen mag. Die Entstehung der Magelone-Romanzen ist dem Umstand zu verdanken, das Brahms 1856 den Bariton Julius Stockhausen (1826-1906) kennen lernte. Er galt in seiner Zeit als einer der größten Lied- und Oratoriensänger. Bereits zwei Wochen nach ihrem ersten Treffen konzertierten Brahms und Stockhausen zusammen und schon bald verband sie eine lebenslange Freundschaft. Im Jahre 1861 brachten Julius Stockhausen und Johannes Brahms als sein Klavierbegleiter in kurzer Zeit gleich drei Liederzyklen zur Aufführung: "An die ferne Geliebte" von Ludwig van Beethoven, "Dichterliebe" von Robert Schumann und "Die schöne Müllerin" von Franz Schubert.
Durch die intensive Beschäftigung mit diesen Werken - so der Brahms-Biograph Max Kalbeck - könnte Brahms auf den Gedanken gekommen sein, einen eigen Zyklus von Liedern zu komponieren. Die Wahl des Textdichters fiel auf Ludwig Tieck (1773-1853), dessen "Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence" Brahms in einer Frühfassung schon seit 1854 kannte, wie eine eigenhändige Zitatensammlung beweist. Tieck studierte Theologie, Philosophie und Literatur in Halle und Göttingen. Er gehörte zu dem Kreis der Frühromantiker in Jena. Bekannt ist er heute auch besonders durch die Herausgabe von Schriften seines früh verstorbenen Freundes Wilhelm Heinrich Wackenroder. (Die Textgrundlage für die Magelone-Erzählung stammt vom deutschen Erstdruck des Volksbuchs "Die schöne Magelona" aus dem Jahr 1535 ab. Tieck bearbeitete die Vorlage im romantischen Sinne, unterteilte sie in 17 Abschnitte und fügte jeweils ein Lied ein, das die Gedanken- und Gefühlwelt der jeweiligen Personen darstellen sollte. Diese Lieder entnahm Brahms dem Tieck´schen Text und begann 1861 mit der Vertonung. Bis Mai 1862 hatte er die Lieder 1-6 und 13 vertont und bemühte sich um die Drucklegung. Die ersten sechs Magelone-Romanzen wies der Verlag Breitkopf & Härtel jedoch ab. In einem Brief an Brahms heißt es:

"Nur wenn der Komponist, abgesehen von dem Geiste seiner Dichtung, bei Liedern auch dahin strebt, daß sie sangbar sind und nicht sonst große Schwierigkeiten bieten, nur dann, die gute Wahl der Texte vorausgesetzt, ist es dem Verleger möglich, mit Liedern überhaupt nur geschäftlich durchzukommen."

Brahms wandte sich daraufhin an den Verlag Rieter - Biedermann, wo die ersten sechs Lieder in zwei Heften 1865 erschienen. Zwischen der Vertonung der ersten Romanzen und der Vollendung des gesamten Zyklus liegen 8 Jahre: Die letzten beiden Romanzen schrieb der Komponist 1869, woraufhin im selben Jahr die restlichen drei Hefte zu je drei Liedern gedruckt wurden (insgesamt vertonte Brahms 15 der 17 Lieder aus Tiecks Magelone-Erzählung). Warum dieser lange Zeitraum zwischen Beginn und Fertigstellung des Werkes liegt, kann nur gemutmaßt werden. Immerhin beschäftigte sich Brahms in der Zwischenzeit unter anderem mit der Komposition des "Deutschen Requiems". Der gesamte Zyklus ist Julius Stockhausen gewidmet, der auch an der Uraufführung einiger Magelone-Romanzen beteiligt war. Die Geschichte der öffentlichen Erstaufführungen der einzelnen Lieder gestaltet sich als kompliziert. Die Romanzen wurden zumeist einzeln erstaufgeführt, was nicht zuletzt an der ungewöhnlichen Publikationsgeschichte lag. Insgesamt wurden die Romanzen aus Ludwig Tiecks Magelone vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen. Ein Rezensent der Neuen Zeitschrift für Musik urteilt über ein von Stockhausen und Brahms gegebenes Konzert in Berlin , in dem auch einige der Romanzen aufgeführt wurden, wie folgt:

"Für den Vortrag der Brahms´schen Romanzen sind wir dem Sänger besonderen Dank schuldig. Diese Romanuen (...) zeigen den Componisten in der ganzen reichen Tiefe seines Empfindens und Schaffens, und zeigen ihn zugleich von seiner anmuthigen Seite. (...) Stockhausen sang die beiden genannten mit sichtlicher Wärme und diese übertrug sich auch auf die Hörer."

Die Idee, die Romanzen aus Ludwig Tiecks Magelone - wie auf dieser CD - mit den Texten von Tieck als gesprochene Verbindung der einzelnen Lieder aufzuführen, stammt nicht von Brahms selbst. Allerdings kann heutzutage kaum davon ausgegangen werden, daß der Inhalt der Tieck´schen Magelone-Erzählung bekannt ist. Die bis dato früheste bekannte öffentliche Aufführung des gesamten Zyklus verwendet jedenfalls gesprochene Texte, wie ein Rezensent der Zeitschrift Signale für die die musikalische Welt 1897 zu berichten weiß:

" Im Künstlerconcert in Königsberg brachte Herr Raimund von Zur-Mühlen kürzlich den Magelonen Cyclus von Brahms vollständig zu Gehör, und zwar mit einem die fünfzehn Gesänge verbindenden Text, den Hans Schmidt nach der Tieck´schen Novelle von der ,Schönen Magelone´ gedichtet hat. Der Eindruck dieses Cyclus in dieser neuen Gestalt war auf die Hörer ein tiefer und nachhaltiger."
[Claus Woschenko]

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